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Nichtstun

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Dieser HirnSturm soll sich mit dem (bewussten) Nichtstun befassen.

Kennt Ihr das? 
Schon bevor Ihr Euren Körper morgens aus dem Bett wuchtet läuft Euer Hirn auf Hochtouren. „Was muss ich noch für den Termin vorbereiten?“, „Wann sagte Theo will er kommen?“, „Ist heute Müll?“, „Hoffentlich ist bald Wochenende!“ und, und und.
Das ließe sich endlos weiterführen – schon extrem, was unser Hirn im Stande ist zu leisten! Leider will es aber ständig in Beschäftigung sein und tickert eben auch vor sich hin, wenn es eigentlich nichts zu tun gäbe oder es sogar mal sinnvoll wäre zu schweigen.


Wie sag ich es also meinem Gehirn?

Naja „STOPP“, „HALT“, „AUS“ wäre eine Möglichkeit, doch wage ich zu bezweifeln, daß sich unser Hirn davon beeindrucken lassen würde.

Fakt ist: Nichtstun muss man lernen! (Oder es aber ganz unbewusst tun, was uns Erwachsenen meist etwas schwerer fällt!)
Ein Beispiel? Kennt Ihr das? Kleine Kinder haben immer wieder kurze „Aussetzer“. Dann starren sie einfach so ins Leere, sind überhaupt nicht da, nehmen die Welt um sich herum nicht mehr wahr. Wir sagen sie haben den „Gugger“ oder starren Löcher in die Luft.
Aber das ist genau der Zustand, in dem Nichts und Niemand denkt.
Wenn wir sie (oder uns) dann wieder „zurückholen“ ist meist etwas Verwirrung im Blick nach dem Motto „Wo bin ich? Wer bin ich? Und wer zum Geier bist DU?“
Dieser Zustand ist jedoch ziemlich genau die Definition von „im HIER und JETZT“ sein.

Das gilt es also zu erreichen!

Stellen wir uns vor unser Hirn arbeitet ohne Unterlass, zerlegt die kompliziertesten Gebäude, rechnet die schwierigsten Aufgaben, stellt Zusammenhänge her, vergleicht, rekapituliert, und analysiert Dinge die in der Vergangenheit liegen, oder aber die erst in der Zukunft auf uns zukommen (könnten …) und und und …
Irgendwann kommt mit ziemlicher Sicherheit der (Zeit)-Punkt an dem es einfach nur noch funktioniert, oder aber (und das wäre schlecht) kapituliert.


Kann es also wirklich sein, daß man mit Nichtstun mehr Qualität in seinem Alltag bringt?

Unser Verstand sagt jetzt sicher „Niemals! Es gibt immer was zu tun!“
Nun ja was soll er auch anderes sagen? Schließlich wollen wir ihn ja zu gewissen Zeiten gezielt ausschalten.

Dabei liegt es doch auf der Hand:
Wenn unser Hirn auch mal zur Ruhe kommen darf bleiben doch für die wirklich wichtigen Aufgaben deutlich mehr Ressourcen frei, oder?
Wenn sich das Hirn nicht ständig selbst beschäftigt und teilweise verselbstständigt haben wir in Zeiten, in denen wir wirklich auf ein funktionierendes, sauber geschmiertes, Gehirn angewiesen sind, viel mehr Power und Kreativität.


Doch wie soll ich es anstellen? Wie soll/kann ich das Nichtstun lernen? 

Tja da gibt es ganz verschiedene Ansatzpunkte.
Als da wären z.B. das bewusste Ausführen einer EINZIGEN Handlung. Sei es Zähne putzen, Kaffee trinken, Spazieren gehen, Hausarbeit oder was weiß ich, wichtig ist nur, daß sonst NICHTS anderes gemacht wird.
Dabei wird diese Tätigkeit ganz bewusst wahrgenommen, keine Gedanken an den nächsten Termin, das wichtige Telefonat nur DIESE eine Tätigkeit – schwer, das gebe ich zu, aber es lohnt sich! Und je öfter eine solche Übung durchgeführt wird, desto einfacher fällt es und desto wichtiger wird sie.
Die zweite Möglichkeit wäre die Meditation, oder ein meditationsähnlicher Zustand.
Dabei ist es nicht unbedingt wichtig einen erleuchteten Zustand zu erreichen, vielmehr ist es dieses „Einfach nur sitzen“ was uns von allem anderen Tun fernhält, bzw. fernhalten soll.
Egal ob man dazu im Auto, im Zug oder zu Hause auf einem Kissen oder Stuhl sitzt, wichtig ist nur, daß man versucht einfach an gar nichts zu denken. Wenn trotzdem mal ein Gedanke vorbeihuscht ist es ok, dann jedoch nicht wieder in das alte Verhaltensmuster verfallen und den Gedanken komplett bis zum (bitteren) Ende durchspinnen, sondern diesen einfach wieder gehen lassen und für später aufheben – das ist eigentlich alles.

Übrigens, wie lange man sich mit diesen Übungen beschäftigt ist völlig egal. Für den Anfang ist es sicherlich besser, sich eine kurze Zeit zu nehmen, die ausschließlich für diese Art des Nichtstun verwendet wird.


Nachtrag

Falls mein HirnSturm vielleicht etwas verwirrend oder unklar war, kann ich ein (Hör)-Buch, über welches ich vor kurzem gestolpert bin, absolut empfehlen.
Humorvoll und verständlich geschrieben (gesprochen übrigens von der deutschen Stimme der Carrie Bradshaw aus „Sex and the city“) beschreibt Karen Salmansohn ihren Weg raus aus dem Multitasking – rein ins Nichtstun.

41N6X4GT1uL._SL500_AA300_PIaudible,BottomRight,10,70_OU03_AA300_(Hör)-Buchlink:
Wie man sein Leben ändert indem man absolut nichts tut“ von Karen Salmansohn
Gelesen von Irina von Bentheim

Preis bei Audible.de derzeit 6,95 Euro

1 Kommentar

  1. Der von dir beschriebene „Hirnsturm“ wird im Zen-Buddhismus gerne als „Affengeist“ bezeichnet.
    Jedoch viel wichtiger als die Energie die der „Hirnsturm“ verschwendet, scheint mir das Leid, das er teilweise erzeugt. Deshalb ist es erstrebenswert, diesem Hirnsturm Einhalt zu gebieten, was paradoxerweise funktioniert, indem wir dem Sturm nichts entgegenbringen, sondern ihn zu akzeptieren als das was er ist.

    Viele Grüße
    Rainer

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