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Langeweile

admin Share On GoogleShare On FacebookShare On Twitter

Dieser HirnSturm ist eine Antwort, bzw. eine Fortführung der Gedanken von meinem guten Freund und Coach, Rainer, der in seinem Kopfmuster-Blog das Thema Langeweile behandelt.
Im Großen und Ganzen geht es um die Langeweile, die uns immer mal wieder befällt.
Zwar wird man sich das nie so recht zugestehen, denn Langeweile zu haben hieße ja, daß man nichts zu tun hat und nichts zu tun zu haben geht ja bei uns schon fast in Richtung Lebenskünstler, Nichtsnutz, der einfach in den Tag lebt.

Erwartung
Im Kopfmuster-Blog geht es aber in diesem speziellen Fall um die Langeweile der Kinder.
Vielerorts gibt es diese jedoch gar nicht mehr, da haben Kinder einen strafferen Terminplan als manch Berufstätiger.
Und fast scheint es so, als könne man die Qualität der Eltern am Terminplan der Kinder ablesen. Gute Eltern, so heißt es wohl, fordern und fördern Ihr Kind wo es geht und wollen natürlich nur SEIN/IHR Bestes … doch wissen (wir) Eltern immer so genau, was das Beste für (unsere) Kinder ist?
Werden mit dem Streben nach Vollkommenheit beim Kind nicht insgeheim die Bedürfnisse der Eltern befriedigt? Auch ich habe mich schon dabei ertappt, die Zukunft meines Sohnes nach dem Motto: „Wenn ich diese Chance damals gehabt hätte …“ durchplanen zu wollen.

Wenn man sich die Gespräche von Eltern in Schule, Kindergarten oder in geselliger Runde anhört übertrumpfen sich die (Förder)-Angebote scheinbar.

„Also Justin kommt ja keinen Abend vor 19:00 Uhr heim. Montags und Donnerstag hat er Fußball, Dienstags geht er zum Judo, Mittwochs dann Chinesisch und am Freitag nach Tennis abends noch Rhetorik! Schwimmen und Gitarre-Unterricht hat er mittlerweile aufgegeben.“

Übertrieben? Gut, ich gebe es zu, dieses Beispiel ist etwas an den Haaren herbeigezogen, aber nicht selten haben schon Kindergartenkinder 3-4 feste Termine in der Woche.
Und man wird als Eltern schon schief angeschaut wenn man zugibt, daß sein Kind eigentlich gar nichts Spezielles macht. (Ist das vielleicht schon ein Fall für’s Jugendamt?)

„Wie? Ihr macht so gar nichts? Und wie soll er/sie/es denn später wissen, was es will? Wie sollen sich denn die Synapsen des Gehirns ausbilden?“

Ich persönlich finde es super, wenn Kinder Langeweile haben, bzw. haben dürfen!

Früher
Während ich so über diesen Blogeintrag nachdachte habe ich etwas in meiner Vergangeheit gerührt. Mich bewusst in die Zeit meiner Kindheit zurückversetzt.
Oh wie war mir manchmal schrecklich langweilig, ich wusste nichts mit mir anzufangen.
Speziell wenn kein Freund greifbar, das Wetter bescheiden, meine Mutter beschäftigt oder nichts im Fernsehen kam, was sehr häufig vorkam.
(Das Fernsehen in meiner Kindheit bestand aus drei Sendern: ARD, ZDF und SWR und außer in den Sommerferien gab es nicht wirklich ein Kinderprogramm.)

Ich erinnere mich wie ich manchmal stundenlang auf dem Teppich oder Bett in meinem Zimmer lag und an die Holzdecke starrte, die Äste der Fichtenpanele betrachtete und mir Formen und Figuren vorstellte, ja ganze Geschichten ausdachte und in meiner Phantasie prächtige Schlösser, Ritter und Prinzessinnen entstanden.

Erkenntnis
Damals war es einfach nur schrecklich, schrecklich langweilig, heute denke ich jedoch, daß diese Zeit eine sehr wertvolle Zeit für mich war. Es gab nichts um mich herum was mich von dem was ich tat ablenkte. Alles was ich nur wollte konnte ich in meiner Phantasie erschaffen und nicht selten hatten schon nach wenigen Minuten die Astlöcher der Holzdecke nichts mehr mit der entstehenden Geschichte zu tun.

Heute
Heute wäre ich ab und zu froh, wenn ich solche Phasen der „Langeweile“ erleben dürfte, anscheinend habe ich mir, bzw. wurde mir die Fähigkeit abtrainiert.
Sobald es ruhiger wird beginnen die Gedanken durch den Kopf zu schießen: „Hab ich eigentlich schon …„, „Müsste ich nicht langsam …„, „Wann war noch gleich der Termin …
Nur mit dem bewussten Innehalten in Form von „erzwungenem“ Nichtstun, Meditation oder sonstigem „Stillsitzen“ schaffe ich mir langsam Phasen der „inneren Einkehr“, auf die trainiert werden muss wie auf einen Halbmarathon.

Fazit
Falls es nun erscheint als halte ich nichts von Förderung von Kindern muss ich jedoch entschieden verneinen. Ich finde es richtig und wichtig Kinder ihrer Natur entsprechend zu fördern, das kann jedoch bei Paul ganz anders aussehen als bei Tim, Kevin oder Nico.

Wichtig scheint mir auf jeden Fall, daß die Kinder immer noch genug Raum haben die Welt um sich herum und sich selbst zu entdecken, ihre Kreativität erlernen und nicht den ganzen Tag entertained werden. Denn wie sollen Kinder sich selbst erfahren, wenn wir ihnen ständig Beschäftigung und Bespaßung anbieten?

Warum nicht einfach mal einen Spaziergang durch den Wald und nach spannenden Tieren Ausschau halten? Bei Regen durch die Pfützen springen? Oder auf der Wiese liegend die Wolken betrachten?
Wichtig ist nicht die Quantität, sondern die Qualität der Förderung / Beschäftigung und je mehr Qualität das Leben der Kinder hat, desto weniger wirkliche Langeweile wird sich einstellen … probiert es doch mal aus!

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